Die Besichtigung der St. Nicolaikirche ist aus bautechnischen Gründen zur Zeit leider nicht möglich.
Das Bild, eine alte Postkarte, zeigt die Nicolaikirche um 1426 zur Einweihung des Chores der Kirche.
Die St. Nicolaikirche prägt noch heute mit ihrer schlanken spätgotischen Turmspitze unverwechselbar das Bild der Lutherstadt Eisleben.
Bereits im 12. Jahrhundert wurde in der nördlichen Vorstadt eine Godehardkapelle erwähnt. Der berühmte Bischof Magdeburgs, Wichmann von Seeburg, hat wahrscheinlich die Friesen in seine Mansfelder Heimat geholt, die das Sumpfgebiet nördlich von Eisleben trocken legten und somit die Stadterweiterung ermöglichten. Von ihnen wurde diese Godehardkapelle errichtet. Bis in das 15. Jahrhundert wurden die Patrozienen Godehard und Nikolaus genannt und das älteste Kirchensiegel zeigt noch beide Heilige.
Die heutige Kirche aus hellem Sandstein stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, der Chor wurde am 2. Juli 1426 geweiht. Es ist eine kleine dreischiffige Hallenkirche von drei Jochen über leicht verzogenem Grundriss mit 5/8-Chorschluß.
Das Langhaus ist innen mit schlichten achteckigen Pfeilern ausgestattet. Die Kreuzgewölbe ruhen im Chor auf Runddiensten, im Langhaus auf Konsolen.
Kaum noch lesbare gotische Minuskeln an der Nordwestecke des Turmes teilen den Baubeginn des niedrigen, massigen Westturmes mit: 31. Mai 1462. Der Abschluss kann jedoch nicht belegt werden.
Bemerkenswert sind die edlen Maßwerkfenster mit spätgotischer Fischblasenornamentik. Chor und Langhaus stützen Strebepfeiler, zwischen den beiden mittleren Strebepfeilern der Südseite ist wie offizielle netzgewölbte Vorhalle eingespannt.
Die St. Nicolaikirche - eine aufgegebene Kirche?
Die Kirche wurde 1854 und 1910 umfassend restauriert. 1973 scheiterten jedoch die Bemühungen der Kirchengemeinde um eine Dachsanierung. Am 31. Januar 1973 gab der Gemeindekirchenrat das Bauwerk auf. Die Kirche wurde leer geräumt. Die Orgel kam in die evangelische Stadtkirche St. Marien nach Artern. Der spätgotische Schnitzaltar, der Taufstein mit gedrehtem Fuß, die sehr schön verzierte Sakramentsnische und das kleine steinerne Astkreuz befinden sich heute in der St. Petri-Pauli-Kirche, der Taufkirche Martin Luthers, in Lutherstadt Eisleben.
Das Bauwerk zerfiel zusehends. Die 1931 nach Entwürfen von Carl Crodel (Kunsthochschule Halle / Giebichenstein) figürlich bemalten Chorfenster wurden zerschlagen. Innerhalb von 15 Jahren wurde die Kirche zur Ruine, ihr Schicksal schien damit besiegelt.
St. Nicolai- eine Kirche wurde gerettet!
Doch 1988 bildete sich um den jungen Pfarrer Ingo Rockmann eine Bürgerinitiative zur Rettung der Kirche, aus der 1990 das Kuratorium St. Nicolai hervorgegangen ist. Ein weiterer Glücksfall für die Rettung des Bauwerkes war der Besuch des Zimmermannsmeisters Georg Rehklau aus der Partnerstadt Memmingen. Er setzte sich für die Rettung der St. Nicolaikirche ein und erhielt dafür 1992 die „Silberne Halbkugel“, den deutschen Preis für Denkmalschutz.
1990 richteten Bauleute um Georg Rehklau fast abenteuerlich den Dachstuhl des Kirchenschiffes und sicherten ihn. Nach der Sanierung des Turmes erhielt dieser am Reformationsfest 1991 seine neue vergoldete Bekrönung mit Knauf, Kreuz und Wetterfahne. Ein neuer Dachstuhl folgte.
Der Eingangsbereich, d.h. der Torbogen, wurde komplett saniert. Weiterhin ist es durch private Spender gelungen, dass die Fenster der Nord-und Südseite mit Schutzverdrahtung und Schutzverglasung versehen wurden.
An dieser Stelle geht der Dank an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, an Lotto-Toto, die Stadtverwaltung der Lutherstadt Eisleben und alle Spender, die zur Rettung der vom Einsturz gefährdeten Kirche beigetragen haben.
Die sieben Fenster im Kirchenschiff wurden zwischenzeitlich verglast und verdrahtet. Diese Arbeiten schlossen die Sanierung der Sandsteingewände mit ein.